Delta Goodrem im Spotlight
Ihre Geschichte ist faszinierend, ihre Chartstatistiken sind beeindruckend und ihre Musik ist sogar noch besser.
Mit gerade einmal 25 Jahren ist Delta Goodrem schon jetzt eine von Australiens erfolgreichsten weiblichen Künstlern mit bahnbrechenden Verkaufszahlen.
Zuallererst ein kleiner Geschichtskurs: Deltas Debüt „Innocent Eyes“ von 2003 ist eines der wenigen Alben, von dem in Australien mehr als eine Millionen Exemplare verkauft wurden – jeder zwanzigste Australier besitzt dieses Album. Es stand rekordverdächtige 29 Wochen auf Platz 1 in Australien, gewann die Auszeichnung des meistverkauften Albums bei Australiens Gegenstück zu den Grammys zwei Jahre in Folge und verzeichnet mittlerweile einen weltweiten Verkauf von 4 Millionen Alben – inklusive einem 2. Platz in den UK-Charts.
Jede der fünf Singles des Albums schaffte es in Australien auf die Nr. 1. – was den Rekord von Kylie Minogue und den Beatles brach – und drei der Singles aus „Innocent Eyes“ schafften es auch in Großbritannien in die Top 10. Aber auch in Japan und Neuseeland hatte sie mit ihren Alben großen Erfolg, sie verzauberte weltweit ein Land nach dem anderen. Der Grund dafür ist schnell gefunden: in einem Zeitalter von vorgefertigten, im Fernsehen geborenen Popstars gehört Delta Goodrem zu den Originalen.
Bereits im Alter von sieben Jahren begann sie, Klavier zu spielen. Goodrem erinnert an eine längst vergangene Zeit, in der Popstars ihre Songs noch selber schrieben und live spielten – so einfach ist das.
Delta steht auf der Bühne, seit ihre Familie denken kann. „Es hat sich einfach immer richtig angefühlt“, sagt sie. „Ich erinnere mich daran, wie ich auf Konzerte meiner Lieblingskünstler ging, und mir dachte ‚ich kann es kaum erwarten, selbst auf der Bühne zu stehen’. Es war niemals ein ‚ich hoffe, dass ich später auch mal da oben stehe’; mir war immer bewusst, dass es so sein würde. Ich habe einfach an mich selbst geglaubt. Es gab nie einen Plan B.“
„Innocent Eyes“ verschaffte Goodrem nicht nur den Durchbruch als Sängerin, sondern auch als Songwriter. 2006 spielte Goodrem einen selbst komponierten Song, „Together We Are One“, bei der Eröffnungszeremonie der Commonwealth Games vor einem 1,5-Milliarden-Publikum weltweit. Das mitreißende Lied wurde zum Titelsong der „American Idol“-Staffel des vergangenen Jahres. Ein weiterer von Goodrem komponierter Song, „Days Go By“, wurde zum Nr.-1-Hit durch das diesjährige „Norwegian Idol“, Glenn Lyse, während sie zeitgleich an einem Song zusammen mit Olivia Newton-John für deren neue Krebsstiftung arbeitete. „Olivia war mir eine wahre Erleuchtung“, so Delta. „Sie hat mich geführt und mir immer wieder wertvolle Ratschläge gegeben.“ Ein anderer Song von Goodrem, „Eyes on Me“, wurde von Celine Dion in ihr neues Album „Taking Chances“ übernommen. „Den Song ‚Eyes on Me’ von einer Frau gesungen zu hören, zu der ich meinen ganzes Leben aufgeschaut habe, ist ein unbeschreibliches Gefühl, “ sagt Goodrem.
Ihr Lebenslauf umfasst nicht nur Fernsehen (Australischer Fernsehstar in Neighbours, einer Sendung, in der auch die Karrieren von Kylie Minogue, Guy Pearce und Natalie Imbruglia ihren Anfang nahmen) und eine Hauptrolle in einem Film (Hating Alison Ashley, 2005), sondern auch ein Duett zusammen mit Tony Bennett für die australische Version seines ersten Albums „An American Dream“.
2008 wurde Goodrems erstes Album für die USA – mit dem einfachen Titel ‚Delta’ – ihr Fahrschein auf den amerikanischen Markt. Nach zwei Jahren Arbeit ist es ein willkommenes Gegenstück zur gestressten Welt des banalen Pops, indem es zeitlose, globale Melodien mit Energie, Leidenschaft und Persönlichkeit kombiniert.
„Believe Again“ ist das bisher anspruchsvollste musikalische Werk von Delta – ein filmgeschichtlicher Epos in Anlehnung an den grandiosen Madonna-Song ‚Frozen’, mit Liebe zum Detail produziert von Marius DeVries (Bjork, Massive Attack, U2) und Stuart Crichton. „Manchmal schreibt man Lieder und denkt sich, das klingt nicht schlecht, das klingt ganz okay, “ so Delta. „Aber ‚okay’ reichte mir nicht, ich wollte mehr als das. Ich wollte ein großartiges Album. Ich hatte schon immer ein gutes Ohr für ausgezeichnete Songs, die vielen gefallen. Ich wollte sicherstellen, dass ich etwas Besonderes produziere. ‚Believe Again’ wurde zu einem der Wendepunkte, dieser Song hat das gesamte Album inspiriert.“
Die erste Single „In This Life“ (produziert von John Shanks) wurde zu Deltas achtem Nr.-1-Hit in Australien (von beeindruckenden 13 bisher veröffentlichen Singles) und wickelte das Radio mit seinem Optimismus versprühenden Refrain und der raumfüllenden melodischen Intensität leicht um den Finger. „Das Lied hat Höhen und Tiefen“, sagt Delta zu dem Song. „Gefühle in Liedern sind von großer Bedeutung für mich. Es hat eine Melodie, die leicht zum Ohrwurm wird, da sie einprägsam ist, und es eignet sich zum Mitsummen genauso wie zum lauthals Mitsingen. Alle Elemente, die ich in einen Song integrieren wollte, sind in diesem Song vereint.“
Goodrem fand ihre musikalischen Seelenfreunde in Songwriter-Partnern wie Brian McFadden (ein Gründungsmitglied der irischen Band Westlife, der auch für Il Divo schreibt), Elektrogenie Stuart Crichton und dem Liedermacher Tommy Lee James aus Nashville. „Wir nennen unser Team ‚Die Elemente’, “ sagt Goodrem. „Stuart ist ein Dance-Produzent, Tommy ist ein reiner Balladensänger, er macht Country-Musik und ist ein unglaublicher Texter, und dann gibt es Brian, der ein beeindruckender Pop-Texter ist, der einen Chorus wie kein anderer zu Ende gehen lassen kann. Dazu komme ich mit den verschrobenen Melodien und Harmonien.“
Es sind diese vier unterschiedlichen Richtungen, die entscheidend bei der Produktion der musikalischen Vielfalt von ‚Delta’ waren. Die Bandbreite reicht von Dance-Pop mit Reggae-Einflüssen in ‚You Will Only Break My Heart’ bis zur trügerisch schlichten Ballade ‚Angels in the Room’.
„Woman“ wurde von den Erfolgsproduzenten Steve Mac und Wayne Hector (Il Divo, Leona Lewis, Kelly Clarkson, Westlife) geschrieben. In dem schonungslos ehrlichen Song „God Laughs“ verarbeitet Delta ihren Schock über die Scheidung ihrer Eltern („Wir alle laufen auf Treibsand“, singt sie, „während wir geschäftig unseren Plänen nachgehen…lacht Gott “). Aber der Song „Possessionless“ ist sicherlich das bedeutendste lyrische Werk des Albums.
Goodrem schrieb diesen Song, kurz nachdem sie ihren Kampf gegen das Hodgkin-Lymphom, einer Krebsart, gewonnen hatte, das Delta im Jahr 2003 vom Höhepunkt ihres Erfolges in Australien und Großbritannien riss. Wie die Musik auch schon in guten Zeiten immer zu ihr gestanden hatte, war sie es auch jetzt in ihren wohl schwersten Momenten.
„Possessionless“ handelt davon, wie ihr die Chemotherapie ins Gedächtnis rief, was im Leben wirklich wichtig ist – indem sie jede einzelne Haarsträhne an ihrem ganzen Körper verlor und sich selbst neu entdeckte.
Der Song wurde vom Team um Steve Kipner, Wayne Wilkins und Andrew Frampton geschrieben – die auch schon Hits für Christina Aguilera und Natasha Bedingfield geschrieben haben.
Auf den ersten Blick scheinen Textzeilen wie „Alles, was ich habe, ist mein Körper und für dich bin ich nackt“ eine Art private Schlafzimmeratmosphäre wiederzugeben, und wirken nicht wie eine der vielen Lektionen, die Delta in ihrer Lebenskrise lernen musste. Sie singt: „Es ist der einzig wahre Test, wenn alles, was bleibt, eine Liebe ist, die besitzlos ist.“
„Mein Leben ist so schnell so ernst geworden“, sagt Delta. „Dann habe ich meine Haare verloren, sie wurden grün, ich bekam eine Zahnspange; und war in Chemotherapie – wenn man absolut nichts mehr hat, man besitzlos ist, kann man jemanden lieben, der so splitternackt ist? Man hat absolut gar nichts mehr, nicht einmal mehr Wimpern – keine Fassade mehr, nichts mehr zum Verstecken.“
Nach einem Leben – und Karriere – auf der Überholspur mit schwindelerregenden Höhen und zerstörenden Tiefen erscheint das ‚Delta’-Album wie Goodrems Heraustreten aus dem Dunkeln, mit einem Album, das den Optimismus und die heilende Kraft der Popmusik umarmt.
„Dieses Album enthält schwere Themen zu harten Zeiten, aber anstelle die Opferrolle zu übernehmen wird aufgestanden und weitergekämpft. Es ist gut, sich darauf zu konzentrieren, was das Leben zu bieten hat, Dinge zu finden, die dir etwas bedeuten. Es ist Popmusik. Es soll Spaß machen, magisch sein. Etwas, in dem sich jeder wiederfinden kann.“
Diese Verbindung mit ihren Texten möchte Goodrem in der ganzen Welt verbreiten.
„Harte Zeiten sind für alle gleich. Gute Zeiten sind für alle gleich. Ich habe gelernt, wie mächtig Musik für Menschen sein kann, wie sehr man sich einfach in Musik verlieren möchte. Das ist eine wirklich wichtige Beziehung zu Menschen, die nicht einfach weggeschmissen werden kann. Ich mag den Gedanken, in Amerika als unbeschriebenes Blatt zu beginnen und freue mich darauf, mir die Seele aus dem Leib zu singen.“